Epishins Erben

Wie alles begann…

by killi on Mrz.03, 2010, under Episode

…es war ein strenger Winter, der das Jahr 2010 einläutete, und was kann man da besseres mit seiner freien Zeit anstellen als endlich mal wieder ein Schachturnier zu spielen? Das dachten sich auch 5 verwegene Recken aus der schönsten Stadt am Rhein. So machte sich die Truppe auf, Bad Zwischenahn und dem NordWest Cup ihre Aufwartung zu machen. Sowohl Anreise als auch die Quartiernahme in einer schnuckligen Ferienwohnung verliefen genauso problemlos wie auch ereignisarm, so dass nichts vom eigentlichen Höhepunkt des Tages ablenken konnte, der ersten Runde in der Wandelhalle Bad Zwischenahn mit wunderschönem Blick über ein tief verschneites und ebenso zugefrorenes Zwischenahner Meer.

Unsere muntere 5er Truppe ist dabei so gestrickt, dass wir eigentlich gute Chancen haben alle möglichen Ratingpreise anzugreifen. Mit dem Turnierausgang sollte aber nur bei viel Glück einer der Unsrigen etwas zu tun bekommen. Ganz so unbeschwert konnten es die Setzlistenersten sicher nicht angehen lassen. Unter anderem traten 5 Großmeister an, den ersten Platz und damit 1 KiloEuro zu erringen. Ganz sicher der Publikumsmagnet war dabei der erst 13-jährige Illya Nyzhnyk aus der Ukraine, zwar noch “nur” mit einem IM-Titel dekoriert aber bereits mit einer ELO von knapp 2500 eines der absoluten Schwergewichte des Turniers. Genauso wie der an Eins gesetzte Vladimir Epishin, der sogar mit einer ELO über der 2600er Schallmauer aufwarten konnte.

Da klingelte bei mir schon etwas. War da nicht was? Ja sicher. War Epishin nicht sogar Karpov-Sekundant und definitiv ein Top 20 Großmeister so Anfang Mitte der 90er? Vage Erinnerungsfetzen aber genug, um mich darauf zu freuen, diesem Riesen mal über die Schulter und auf die Finger zu sehen! Zunächst sollte sich aber leider keine Möglichkeiten zum Kiebitzen bei den Großen ergeben, da mich meine eigenen Partien doch ganz schön in Atem hielten. Endlich in Runde 5 war es dann so weit. Ich verbrauchte in meiner Partie zwar 80 Minuten für 13 Züge und fühlte mich ziemlich unwohl, aber mein Gegner kam mir entgegen, stellte etwas ein und ich hatte endlich Zeit für meine Liebelingsbeschäftigung: Kiebitzen! Schnell alles zusammen packen und noch ein Sieger-Weizen besorgt, damit meine Kollegen auch ja alle schon von weitem sehen konnten, dass ich schon gewonnen hatte! So machte ich mich auf noch einen Platz am Tisch des Helden dieses Artikels zu suchen. Nach ein paar Minuten konnte ich einen feinen Stehplatz mit guter Sicht einnehmen.

Was nun geschah kann man eigentlich recht schlecht in Worte fassen. Ich bin selbst kein sehr starker Spieler und diese Klientel neigt scheinbar besonders dazu das Spiel von Großmeistern zu bewundern. Das führt bei mir auch jedes Jahr zu regelmäßigen Besuchen im Dortmunder Schauspielhaus und in der Mainzer Rheingoldhalle und sogar ins bitter kalte Wijk Aan Zee . Ich hatte also schon das Vergnügen neben Shirov’s Brett zu stehen, während er gerade mal wieder dabei war, es mit Brennspiritus zu übergießen und dann natürlich in Brand zu setzen, oder wie Morozevich beim Schnellschach einen jungen deutschen Großmeister über die Zeit zockte. Aber irgendwie war das alles nicht so beeindruckend wie Vladimir Epishin in Aktion! Es hatte sich eine ziemlich komplexe Stellung ergeben, in der Epishin aber schon einen gesunden Mehrbauern sein Eigen nennen konnte. Die Bedenkzeit war knapp und sein Gegner kämpfte furchtlos um den halben Punkt oder sogar um eine Sensation. Aber da saß er nun, dieser Riese aus Leningrad. Er starrte mit weit aufgerissenen Augen immer wieder abwechselnd auf das Brett und auf seinen Gegner. In einigen Situationen auch auf das Brett und auf den Gegner gleichzeitig, um dann nach dem Schlagen einer gegnerischen Figur diese akkurat, nach der Reihenfolge des Abtausches, ordentlich und sortiert am Brettrand auszurichten und das Namensschild liebevoll zurecht zu rücken. Ein Ritual, dass nur Ephisin in dieser ephischen Eleganz besitzt.

Aussenstehende würden wahrschenilich alle Ihre Vorurteile über Schachspieler bestätigt sehen. Ein übergewichtiger, von einer besonderen Aura umgebener Mensch, mit dicker Brille brütet über den Puppen, wie eine junge Löwin über ihren Jungen. Aber diejenigen, die der Schachvirus selbst in gewissem Maße gepackt hat, sehen die gewaltige Anziehungskraft und sogar bis zur verhängnisvollen Sucht ausschweifende Liebe zu unserem königlichen Spiel. Dieser Mann hatte schon mehr über Schach vergessen als ich je gelernt hatte und war auf seinem Zenit einer der 20 besten Schachspieler in dieser Galaxie. Sogar so gut, dass ein langjähriger Weltmeister auf seine Dienste zurückgriff und auf seine Expertise vertraute!

Vielleicht ist der eine oder andere Kritiker geneigt zu sagen, dass Epishin`s beste Schachtage in den 90er lagen. Aber Vladimir spielt nicht nur einfach Schach, Vladimir ist während der Partie Schach. Er lebt die Züge, er spürt den Schmerz jeder Springerfesselung, er fährt Vollgass auf den offenen Linien, ist Gottheit seiner Streitmacht und hört das Wehklagen seines Holzvolkes. Andere ziehen nur einfach die Puppen.

Auch wenn die Tage nicht mehr kommen werden, wo wir Epishin im Top Ranking der Meisterspieler wieder finden, ist es für Ihn mehr als nur schnöder Broterwerb. Ein kleiner Wermutstropfen in dem all zu romatischen Bild des Großmeisters, dass ich noch vor wenigen Minuten hatte, aber ein sehr menschliches Schicksal und das steigerte nur meine Verehrung für den Meister!

Mir ist es wohl nicht allein so gegangen und so war die Idee geboren eine Fan-Seite für GM Epishin ins Leben zu rufen! Wir finden Schirow und Moro haben genug Fan’s, wir wollen so ein Zeichen setzen und zeigen, dass auch die Schachfan’s ein Gedächtnis haben und ihre alten Helden, die vielleicht zu Unrecht immer nur in der zweiten Reihe standen, nicht vergessen!


One comment to “Wie alles begann…”

  1. Gustav

    Hallo!
    Ich bin einfach so frei und hinterlasse einfach mal einen Eintrag zur Deiner Seite. Sieht echt super aus. Ich nutze jetzt auch seit ein paar Monaten Wordpress, habe aber eigentlich keine Ahnung, was ich genau einstellen muss. Also, eine super Webseite und gute Arbeit, weiter so ;)

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